SAMMLUNG Brühe

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Andreas Horlitz

Text DNA

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„Die zusammenwirkende und Potenz schaffende Kraft, das EQUILIBRIUM, ist dabei das Licht, dessen physikalische Phänomene und Wahrnehmungsqualitäten das Werk des Künstlers seit Anbeginn prägen.“ (Verena Titze)

Der deutsche Künstler Andreas Horlitz (geboren 1955) setzt sich innerhalb seines Œuvres mit verschiedensten phototechnischen Verfahren auseinander. Anfangs der Tradition der Otto-Steinert-Schule verbunden, wird Horlitz als Autorenphotograph durch persönlich gefärbte Reportagen in Serienform bekannt. Zu Beginn der 80er Jahre beschäftigt sich der Künstler mit Wort-Bild-Verschränkungen und bringt mit Kopiermontagen eine eigene Form der phototechnischen Collage hervor. Dabei überlagert er meist stark reduzierte Ausschnitte reproduzierter Bilder mit Piktogrammen (Reconnaissance, 1995).

Seit Mitte der 80er Jahre wendet er sich verstärkt dem Medium des Leuchtkastens zu, bei dem er ein meist zentrales Motiv auf einen leuchtend monochromen Hintergrund setzt (Lexicon, 1996). Besonders in den letzten Jahren erweitert er sein Spektrum mit Spiegel- und verschiedenen Lichtarbeiten sowie In-situ-Projekten (Palimpsest, 2002). Thematisch spannt Horlitz einen Bogen von persönlichen Reportagen über kunstgeschichtliche Referenzen bis zu Innenansichten aus der Welt der Technik und Naturwissenschaft. Sein besonderes Interesse gilt den verschiedenen Formen von Text und Sprache.

Horlitz stellt seit den 70er Jahren in zahlreichen Galerien und Museen in Europa aus, u. a.: Museum Folkwang, Essen (1980), Sprengel Museum, Hannover (1996), Bilder, die noch fehlten, Deutsches Hygiene-Museum, Dresden (2000), Von Körpern und anderen Dingen, Städtische Galerie Prag, Deutsches Historisches Museum, Berlin und Multimedia Complex of Visual Arts, Moskau (2003/2004), Mein Gen, das hat fünf Ecken, ZKM Karlsruhe (2007).

Die Lichtinstallation Text DNA von 1997 dominiert mit einer Länge von knapp 46 Metern und 20 Zentimetern Höhe die Längsseite des Flures eines Gebäudes von Uniplan in Kerpen. Genau in Augenhöhe des Betrachters in die Wand eingelassen, wird sie nur durch die Türöffnungen und das Foyer unterbrochen. Auf der Oberfläche erkennt man ein Rastersystem, bestehend aus vier übereinanderliegenden Zeichenreihen, die sich durch ihre chromatische Oberfläche von dem grünlich-matt schimmernden Neonlicht des Hintergrundes abheben.

Horlitz nutzt ein komplexes phototechnisches Verfahren, um wissenschaftlich codiertes Sprachmaterial wie DNA-Sequenzen in die künstlerische Form der Lichtinstallation umzusetzen. DNA steht für Desoxyribonukleinsäure und beinhaltet die genetischen Informationen eines jeden Organismus. Die jeweilige Erbsubstanz besteht aus unendlich vielen Molekülen, welche sich wiederum aus vier Bausteinen (Basen) zusammensetzen. Diese Basen lassen sich graphisch darstellen, in ein Zeichensystem umsetzen. In dem Fall von Text DNA sind es die Molekularsequenzen von Bierhefe (Keim), Kiefer (Pflanze), Wespe (Tier) und Mensch.

Horlitz verbindet in seiner Arbeit die beiden Welten der Kunst und Naturwissenschaft. Dabei thematisiert er nicht nur die kontrovers diskutierte Gentechnologie, sondern öffnet vielmehr verschiedene Assoziations- und Erfahrungswelten. So wird der Betrachter in den verspiegelten Abschnitten auch mit sich selbst konfrontiert und in der Spiegelung seiner selbst mit der eigenen Existenz, dem eigenen Entstehen und Werden.

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