SAMMLUNG Brühe

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Anish Kapoor

Buco

2_Buco

“I don’t wish to make sculpture about form. I wish to make sculpture about belief, or about passion, about experience that is outside of material concerns.”

Der 1954 in Bombay geborene und in England aufgewachsene Künstler Anish Kapoor zählt zu den bedeutendsten Bildhauern des 21. Jahrhunderts. Nach seinem Studium an der Chelsea School of Art in London wird Kapoor durch Bodenskulpturen aus biomorphen Elementarformen bekannt, die er mit strahlenden Pigmenten in Primärfarben überzieht (1000 Names, 1978–1980). Im Laufe der Jahre entwickelt er ein facettenreiches Œuvre aus verschiedenen Materialien wie Stein, Stahl, Glas oder Terrakotta.

Beeinflusst durch seine Indien-Reise 1979 und die Auseinandersetzung mit der hinduistischen Mythologie, vereint er die spirituellen Traditionen seiner Heimat mit denen des Westens. Seine zentralen Themen sind Transzendenz und das Sublime sowie Reinheit der Form und Farbe. Dabei nähert er sich unter anderem an das Werk von Yves Klein und der Minimal Art an. Für ihn ist das schöpferische Spiel von Gegensätzen von zentraler Bedeutung: positive und negative Formen, Farbkontraste, Materielles und Immaterielles.

Seit den frühen 70er Jahren wird sein vielfach prämiertes Werk weltweit ausgestellt. 1990 vertritt Kapoor Großbritannien auf der Biennale von Venedig und erhält den „Premio Duemila“-Preis. 1991 wird ihm der renommierte Turner Prize verliehen. Einer der Höhepunkte der documenta 9 ist sein Raum Descent into Limbo (1992). In den letzten Jahren verwirklicht Kapoor zunehmend monumentale Skulpturen (Cloud Gate, Millennium Park Chicago, 2004–2006).

Die Arbeit Buco von 1998 besticht durch ihre außergewöhnliche Installation in der Wand und ist in der für den Betrachter idealen Höhe angebracht, die nach Kapoor 170 cm vom Boden zum Mittelpunkt der Skulptur beträgt. Wie in der Malerei erfährt dieser die Arbeit frontal und für Kapoor „is that the function of all iconic art; one cannot get around the back of God. I think that is a beautiful idea.“

Durch die konkav-spiralförmige Form und die verchromte Oberfläche erhält die Arbeit eine räumliche Dimension und ungeahnte Tiefe. Der Blick des Betrachters wird sogartig von der Skulptur angezogen. Kapoor möchte den Betrachter an jene Kante locken, „to the edge of the cliff and to do what Apollinaire suggests, which is to push over the edge and then you fall“.

Bereits seit Mitte der 80er Jahre wendet sich Kapoor in seinen Skulpturen dem Inneren des Körpers, seinem Pneuma zu. Dabei stehen die Transfiguration und das Enthaltensein einer Form in einer anderen im Vordergrund. Kapoor sieht darin eine Verbindung zur indischen Mythologie, in der sich bestimmte Objekte selbst manifestieren: „They make themselves. The curious thing about these objects is that they are made – but their mythology is that they are not made. It’s a very wonderful idea about the presence of form in the world.“

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