SAMMLUNG Brühe

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Heiner Blum

Point of no return

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„Es scheint im Bereich der Zeichen so etwas wie Grundstrukturen zu geben, die in verschiedenen kulturellen Systemen, aber auch quer durch alle Epochen eine Gültigkeit haben.“

Heiner Blum (geboren 1959) definiert für sich einen stilistisch sehr offenen Kunstbegriff und arbeitet mit unterschiedlichsten Materialien und Techniken. So entstehen seit den 70er Jahren verschiedene Werkkomplexe, in denen sich Blum mit Photographie, Skulptur, Fenster-, Spiegel- und Wandarbeiten, Lichtbild-Projektionen sowie Text- und Zeichenbildern auseinandersetzt.

Das Archiv des Künstlers, das er seit 1977 kontinuierlich aufbaut und das aus Photographien, Zeichnungen, Postkarten, Büchern und Zeitungsausschnitten besteht, bildet die Grundlage vieler seiner Arbeiten. Als weitere Inspirationsquellen gelten Walker Evans, Robert Frank und Vertreter der Pop-Art wie Andy Warhol. Blum thematisiert die vielfältigen Formen gesellschaftlich vermittelter Bilder und Zeichen. Diese untersucht er methodisch auf ihre assoziativen Kräfte, analysiert ihre emotionalen Werte oder hinterfragt die Objektivierbarkeit sprachlicher Systeme. Somit bewegen sich seine Arbeiten in dem medialen Kontext des Photojournalismus, der Werbung und Massenkommunikation. Er zielt dabei auf die Überprüfung von Wahrnehmungsmechanismen sowie auf die Bewusstmachung einer zeitbezogenen kollektiven Geisteshaltung ab.

Das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt und die Kunsthalle Mannheim widmen Blum Einzelausstellungen. Ebenso werden seine Werke im Haus der Kunst in München und im Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe ausgestellt. Blum erhält mehrere Auszeichnungen, unter anderem den Karl-Ströher-Preis in Frankfurt und den Förderpreis des Landes Baden-Württemberg.

Point of no Return von 2004 stammt aus dem Werkkomplex TFTLTYTD – Filme im Bauch, der noch 14 weitere Leuchtkästen umfasst. Blum bedient sich dabei einer Bildsprache, die aus der Werbung oder dem Kino bekannt ist: vor weißem Hintergrund leuchten in großformatigen, schwarzen oder knallroten Buchstaben verschiedene Textfragmente. Die Textfragmente basieren auf Zitaten von Intellektuellen der 60er Jahre wie Henri Lefèbvre, aber auch aus Zeitungen oder von Hauswänden des Paris der damaligen Zeit. Zudem werden Referenzen zu der Musik von Chet Baker oder Malcolm McLaren deutlich.

Die Arbeit in ihrer subtilen Spannung zwischen den Deutungsmöglichkeiten der Sprache als Medium und als Bild steht in der Tradition der Pop-Art sowie der konzeptuellen Kunst eines Edward Ruscha. Durch die Dekontextualisierung der Textfragmente erreicht Blum eine Bedeutungsverschiebung, die er durch die künstlerische Verfremdung zur Metapher für weitere Sinnschichten öffnet.

Für Blum basiert seine Kunst auf einem besonderen Empfinden für Sprache: „Es ist in der Tat so, dass meine Wahrnehmung in dem Sinn funktioniert, dass ich Texte wie Bilder ansehe. Für mich ist dies etwas Selbstverständliches.“ Der Betrachter wird aufgefordert, über die imaginative Kraft der Sprache nachzudenken: „Ich will Arbeiten produzieren, die sehr einfach zu rezipieren sind, Arbeiten, die man im Kopf davontragen kann, wenn man sie einmal gesehen hat, und an die man dann aber immer wieder denkt.“

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