SAMMLUNG Brühe

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Hentie van der Merwe

State President´s Guard, Riflemen

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“A theme is ‘making sense’ of the violence that is such a prominent part of our society – violence invariably committed by men and how such violent acts are continuously being justified through the manufacturing of ideologies.”

Der in Windhoek in Namibia geborene Künstler Hentie van der Merwe (geb. 1972) setzt sich innerhalb seines Werkes mit unterschiedlichen Medien wie Malerei, Zeichnung und Skulptur auseinander, wobei vor allem seine Photographien internationale Anerkennung finden. Seine Ausbildung beginnt er an der University of Witwatersrand und dem Higher Institute for Fine Arts in Antwerpen. Derzeit lehrt er selbst an der University of Stellenbosch in Südafrika.

Zentrale Themen seines Oeuvres sind die oftmals sehr brutale Geschichte Afrikas und gesellschaftliche Konflikte und Widersprüche, wie zum Beispiel die gesellschaftliche Rolle des weißen Mannes, nicht zu letzt bedingt durch seine eigene Herkunft, aufgewachsen in einer Afrikaans Familie in Südwest Afrika. Der Körper ist ein immer wiederkehrendes Motiv seiner Arbeiten, in aller seiner Verletzlichkeit, Sexualität, Macht oder auch nüchternen Objektivierung. Grundlage seiner Arbeiten sind oftmals Archive oder historische Stätten, von denen Details in seine Werke fließen.

Einzelausstellungen widmen ihm die Tim van Laere Gallery, Antwerpen (2003/05), Goodman Gallery, Johannesburg (2000/03) und Galerie Gabriele Rivet, Köln (2003/04). Ebenso wird sein Werk in zahlreichen Gruppenausstellungen international gezeigt: “My Private Heroes”, MARTa Herford, 2005; “Snap Judgements: New Positions in Contemporary African Photography”, International Center of Photography, New York, 2006; “Interpretations of Africa – Football”, Art and Design”, Design Museum, London, 2011. 2002 erhält van der Merwe den “Prize for best visual artist” der BIG Torini International Biennale of Young Art kuratiert von Michelangelo Pistoletto und 2008 den SASOL Wax Award.

Die Serie “Trappings” (2000/03) ist van der Merwes bekannteste Serie und umfasst Kernaspekte seines Schaffens, wie der Frage nach der oftmals von Krieg geprägten afrikanischen Geschichte, nach Formen des kollektiven Erinnerns, Repräsentation oder auch Maskulinität. Zu sehen sind lebensgroße Uniformen der südafrikanischen Streitkräfte des Anglo-Boer South African Krieges, beiden Weltkriegen sowie dem Angolan War aus dem South African Military Museum in Johannesburg. Fast bedrohlich und menschlich wirken sie, nicht zu letzt durch ihre enorme Größe, unterstrichen durch die eher dunklen Töne des Hintergrundes, vor dem sich die farbenfrohen Uniformen abheben. Allerdings verwendet van der Merwe einen Blur-Effekt, um die Autorität und Macht dieser majestätischen Bekleidung zu unterwandern. Keine Details sind sichtbar. Auszeichnungen und Grade verschmelzen zu farbigen Mustern.

Van der Merwe hinterfragt so die Schizophrenie des Krieges. Er stellt seine scheinbar prachtvolle und heldenhafte Seite, die bunte herrliche Fassaden den Zweifeln daran gegenüber. Uniformen sind nicht nur ein Verweis auf ein bestimmten Grad oder Regiment, sondern stehen auch für ein bestimmtes Regime und Ideologie. Naturgemäß bieten sie ebenso die Möglichkeit, Unsicherheiten und Verletzlichkeiten zu verbergen, die Schrecken des Krieges, die körperlichen sowie psychischen Opfer vergessen zu machen.

Rory Bester fasst es folgendermaßen zusammen: “The memories of war and the identities assumed of the men who go to war are crystallised in Trappings in ways that challenge our perceptions about military dress. The burden of war, its physical legacies in a land traumatised by a deep-seated physical and mental violence, is brought to the fore in Van der Merwe’s blurred disruptions of military dress icons. His iconoclasm is that of a white man’s guilt fishing the battles of history, battles fought, won and lost in the name of the valour of war.”

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