SAMMLUNG Brühe

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Rebecca Horn

Bodylandscape – Schwarzer Schwan – Weißer Schwan

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„Der Körper spannt Antennen weit um sich, in Linien kreisend, den Schwebezustand im Federweiß zu proben.”

Rebecca Horn (geboren 1944) gilt international als eine der profiliertesten deutschen Künstlerinnen. Seit dem Beginn der 70er Jahre fügt sich ihr Schaffen zu einem immer weiter anwachsenden Strom aus Performances, Filmen, skulpturalen Raum-Installationen, kinetischen Objekten, Zeichnungen und Collagen zusammen und bewegt sich so oftmals im Grenzbereich verschiedener künstlerischer Disziplinen. Teils in Rückbesinnung auf Surrealismus und Dadaismus, aber auch in Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Strömungen wie Arte Povera, Fluxus und Conceptual Art erprobt sie kontinuierlich neue Formen der Darstellung.

Im Zentrum ihrer Arbeiten steht meist der menschliche Körper. Besonders bekannt sind ihre Raumkompositionen, in denen minimalistisch agierende, kinetische Skulpturen die Hauptakteure sind und ihre Faszination aus der Symbiose aus Präzisionsmechanik und außergewöhnlichen Materialien wie exotischen Vogelfedern, Schmetterlingsflügeln oder Musikinstrumenten generieren.

Kennzeichnend für ihr gesamtes Werk ist das Spannungsfeld zwischen unterschiedlichen Polen, wie zum Beispiel der Dialektik von Zeit und Raum, Materie und Bedeutung, Geschichte und Gegenwart, Passivität und Aktivität,  Spontaneität und Kontrolle oder Erotik und Aggression. Motive und abrupter Wechsel der Wahrnehmungsebenen von Realistischem, Phantastischem, Groteskem sind dabei charakteristisch.

Die Künstlerin lebt in Berlin und im Odenwald. Seit den 70er Jahre wird ihr Werk weltweit ausgestellt: Documenta, Kassel (1972, ’77, ’82, ’92); Biennale Venedig (1979, ’80, ’86, 97); Skulpturen-Projekte, Münster (1987, ’97). Besonders hervorzuheben ist die Retrospektive im Guggenheim Museum in New York von 1993 sowie die Ausstellung „Bodylandscapes“ im Fundação Centro Cultural de Belém in Lissabon und Hayward Gallery in  London von 2005. 2006 zeigt sie der Martin Gropius Bau in Berlin mit „Rebecca Horn. Zeichnungen, Skulpturen, Installationen, Filme 1964 – 2006”. Zudem wurde die Künstlerin mit zahlreichen bedeutenden Kunstpreisen ausgezeichnet und erhält 1992 als erste Frau den Kaiserring von Goslar.

Das zeichnerische Werk sowie ihre Fotos, Collagen und Druckgrafiken erfahren erst in den letzten Jahren verstärkte Anerkennung. „Schwarzer Schwan – weißer Schwan“ von 2004 zählt dabei zu der Serie der „Bodylandscapes“, die seit 2004 entstehen und durch die großen Bildformate von 180x151cm beeindrucken. Die großen Dimensionen verlangen den Einsatz des gesamten Körpers und somit knüpft Horn an ihre frühen Körperplastiken an. So hatte sie zum Beispiel mit großen kreisrunden Flügeln ihren Leib mit sanften Gesten ent- und verhüllt, bis er von seiner Aura umgeben schien. Sie selbst betont: „Ich habe darüber nachgedacht wie man Seelenstrukturen einfangen könnte. Wie man diese auf zweidimensionale Ebene bringen könnte.“

Die Künstlerin verwendet in ihren Zeichnungen verschiedene Materialien wie Tusche, Blei- oder Farbstifte, spezielle Tinkturen bis hin zu Rotwein. Sie stellen für sie ein ästhetisches Refugium dar, um den Fantasien freien Lauf zu lassen und sich Sphären der Inspiration zu erschließen. Dies zeigt sich ebenso in ihrem expressiven Gestus. Die Titel geben dabei manchmal konkrete Hinweise, manchmal sind sie für die Künstlerin selbst wichtige Indikatoren: „Ich kann sie in einem Weltsystem verankern beziehungsweise in dem System, in dem ich arbeite, in meinem kleinen Universum.“

Horn beschreibt ihren zeichnerischen Schaffensprozess wie folgt: „In diesen Zeichnungen, die meinen Körperradius entsprechen, beginnt mit dem ersten Strich ein stilles Einvernehmen mit der Linie des Bleistiftes, das Papier zu zerteilen, zu neuen Formen hin zu gliedern, jeder Strich erklärt dem nächsten sein Dasein. Verwirft, fängt auf, spielt, zerstört, entleert, springt, zieht in die Tiefe, spiralt sich hinauf ins Licht, fängt Feuer, schmilzt, fliegt aschegleich, krallt sich am Schweif des Fuchssterns fest, verglüht in leuchtend-rot und senkt sich tief in die Wurzeln des Papiers.“

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