SAMMLUNG Brühe

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Wolfgang Tillmans

Paul, New York

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„If one thing matters, everything matters.”

Der deutsche, in London und Berlin lebende Künstler Wolfgang Tillmans (geboren 1968) zählt heute zu den international bedeutendsten Photographen. Tillmans, der bereits als Jugendlicher zu photographieren begann, arbeitete in den frühen 90er Jahren vor allem für Jugend- und Lifestylemagazine wie Spex oder The Face. 1992 gelang ihm mit der Dokumentation der Berliner Loveparade für das englische Szenemagazin i-D der Durchbruch.

In dem Universum des Künstlers ist die Wirklichkeit in eine Vielzahl von Bildern aufgesplittert, die sich alle in ein vielschichtiges, formales und inhaltliches Bezugssystem einfügen. Die Sujets selbst sind dabei überaus verschieden: Photoserien aus der Techno-Szene, pornographische Bilder, Stillleben, Landschaftsaufnahmen bis hin zu Farbabstraktionen. In seinem Werk finden sich sowohl schnappschussähnliche, aus dem Moment heraus entstandene Photographien, als auch detailliert inszenierte Aufnahmen bis hin zu Arbeiten, die rein in der Dunkelkammer entstanden sind. Das kontinuierliche Infragestellen und Weiterentwickeln des Mediums Photographie ließen ihn zu einer der bedeutendsten Einflussgrößen in der Geschichte der Photographie werden.

Seit 1993 stellt er seine Arbeiten in Galerien und Museen aus, u. a.: Tate Britain (2008), Serpentine Gallery in London (2010), Kunsthalle Zürich (2012), Moderna Museet, Stockholm (2012), MAM Museu de Arte Modernas de São Paulo, São Paulo (2012), K21 in Düsseldorf (2013). 2000 erhält er als erster deutscher Künstler den renommierten Turner-Preis. Seit 2003 ist er Professor für Interdisziplinäre Kunst an der Städelschule in Frankfurt.

Die Arbeit Paul, New York stammt von 1994 und ist mit einer Größe von 145 x 211 cm das größte C-Print-Format des Künstlers. Zu sehen ist Paul, der an einer Betonballustrade lehnt und die nächtliche Skyline New Yorks betrachtet, die in einen warmen Rotton getaucht worden zu sein scheint. Tillmans selbst lebte von 1994–1995 in der amerikanischen Metropole, die somit auch zu einer weiteren Grundlage vieler seiner Arbeiten wurde.

Im Zentrum von Tillmans steht von Anbeginn die Frage nach dem Bild und wie Bedeutung auf einem Stück Papier entsteht. Tillmans arbeitet dementsprechend analog, schafft direkte Abbilder der Wirklichkeit, die nur durch das Licht und das Auftreffen von diesem auf einer lichtempfindlichen Oberfläche, wie z. B. dem Film, entstanden sind. Das Licht ist somit eines der zentralen Themen seines Œuvres. Doch lässt sich Tillmans weder auf bestimmte Sujets noch auf bestimmte Techniken festlegen. Er präsentiert seine Bilder in einer unverkennbar eigenen Präsentationsform, bei der er jegliche visuelle Hierarchisierung verweigert und die seine Ausstellungen zu ortsspezifischen Gesamtinstallationen werden lassen. Gerahmte hängen neben ungerahmten Photographien, C-Prints neben Tintenstrahldrucken oder einfachen Photokopien.

Authentizität will der Künstler vermitteln, wohl wissend, dass es immer und zuerst auch seine eigene Wahrheit ist: „Ich will damit nicht sagen, dass ich die Wahrheit kenne, aber dass mich Wahrheit interessiert. Wie ist es also möglich, dass verschiedene Leute dieselbe Situation völlig unterschiedlich beurteilen und das als Wahrheit ansehen? (…) Diese Relativität von Wahrheit, die erfahre und verhandele ich ständig in meiner Arbeit.“

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