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Tadaaki Kuwayama Ein Besuch im Atelier in New York

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Lachend wird man Tadaaki Kuwayma in seinem großzügigen Loft in New York begrüßt. Hier lebt und arbeitet er zusammen mit seiner Frau, der Künstlerin Rakuko Naito. Trotz seines gehobenen Alters wirkt er erstaunlich jugendlich. Seine 83 Jahre merkt man ihm nicht an.

Das Atelier liegt mitten in Galerienviertel Chelsea in Downtown Manhattan. Als er vor Jahrzehnten dorthin zog, war Chelsea noch nicht das Zentrum der Bluechip Galerien und Spielfeld der Real Estate Magnaten, die ein Luxusapartment-Hochhaus nach dem anderen hochziehen.

Kuwayama wirkt dagegen wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Er gehört zu einer Generation von Künstlern, die für das New York von gestern stehen, das New York der 1960er und 1970er Jahre. Als Downtown Manhattan noch gefährlich war und Künstler dort sich ihre Ateliers noch leisten konnten. Heimat zahlreicher Künstler, die heute jeder kennt wie Andy Warhol oder Jackson Pollock.

Auch eine Gruppe von Künstlern, die heute unter dem Begriff Minimal Art bekannt sind, war Teil dieser New Yorker Subkultur. Dan Flavin, Walter de Maria, Donald Judd. Und Kuwayama. Sie verweigerten sich komplett der künstlerischen Handschrift, griffen auf industriell gefertigte Materialien und eine reduzierte Formensprache zurück. Eine Absage an alles bis dahin Bekannte und ein radikaler Neuanfang. 1966 stellte das Solomon R. Guggenheim in der Ausstellung “Systemic Painting” diese neue Bewegung das erste Mal aus.

Heute ist Kuwayama vor allem in Asien, in seiner Heimat Japan, bekannt. In Europa oder den USA dagegen weniger. Seine Werke lässt er mittlerweile auch dort produzieren. Alle amerikanischen Werkstätten für seine technisch herausfordernden und sensiblen Arbeiten gibt es mittlerweile nicht mehr.

Blickt man sich in seinem Studio um, so sieht man überall Kunstwerke aus seinen verschiedenen Schaffensphasen. Frühe Arbeiten auf Leinwand, monochrom, unterteilt durch horizontale oder vertikale Metallstreifen. Seine späteren Wandinstallationen und Bodenarbeiten, Kuben oder Zylinder aus Titanium, seriell angeordnet, in Grün, Rot, Gelb oder Silber schimmernd. Nur feine Farbnuancen unterscheiden die einzelnen Werke. Auf dem langen Tisch in der Mitte des Studios liegen Skizzen für Ausstellungsprojekte. In den Regalen sieht man Farben, Pigmente in allen Variationen. Sein Atelier ist geordnet und klar, genauso wie seine Arbeiten.

Kuwayma zeigt auf eine serielle Arbeit an der Wand. Ein Immobilientycoon wollte sie kaufen, für die Lobby seines neuesten Skyscrapers im Financial District. Wieder lacht er dabei, als er diese Geschichte erzählt. Der schwerreiche Sammler wollte den Preis auf einen Bruchteil runterhandeln. Kuwayama sagte nein und nun wurde aus dem Verkauf eine Leihgabe. Auch gut, meint er. Als nächstes stellt er in London aus, zusammen mit Carl Andre, ebenfalls ein Mitstreiter
von damals und Mitbegründer der Minimal Art. Das freut Kuwayama weit mehr.

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