SAMMLUNG Brühe

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Chen Wei

Light of Folding Bed

5.9-76

“My works are like my own personal novels. I think memories are novels. I feel my work sometimes as a folder cluttered with memories, looking into all of them.”

Der chinesische Künstler Chen Wei (geboren 1980) entwickelt bereits früh seine ganz eigene photographische Bildsprache. Im Gegensatz zu den meisten anderen Photokünstlern seiner Generation schafft er das Dargestellte selbst und inszeniert in seinem Studio bis auf das kleinste Detail die Kulissen für seine Photographien. In diesem Sinne orientiert er sich an Künstlern wie Jeff Wall, Cindy Sherman oder Thomas Demand.

In seinen Arbeiten lässt Chen Wei sich vor allem von ganz persönlichen Erinnerungen und Phantasien leiten. Darüber hinaus findet er Anregungen in der Literatur und Filmgeschichte, Alchemie, Philosophie oder lässt sich von Geisteskranken inspirieren. Dementsprechend ist seine oftmals surreal wirkende Bildsprache aufgeladen durch so unterschiedliche Elemente wie zerbrochene Spiegel, ausgestopfte Tiere, Bienen, Wachs oder Bücher, die durch die Luft fliegen – oftmals unterlegt mit einem sehr schwarzen Humor.

Seit 2008 stellt er international aus, wie zum Beispiel im CAFA Art Museum oder Today Art Museum in Peking, Museum of Contemporary Art in Shanghai, der 3. Guangzhou Photo Biennale oder im Guangdong Museum of Art in Guangzhou. 2011 erhält Chen Wei den Asia Pacific Photo Award.

Light of Folding Bed von 2009 ist eines von Chen Weis minimalistisch inszenierten Arbeiten. Diesmal ist keine Person gezeigt, nur ein Bettgestell vor einer Wand, auf dem Teile eines zerbrochenen Spiegels liegen. Lichtstrahlen werden von den Fragmenten des Spiegels an die Wand geworfen. Verschiedene Assoziationen drängen sich auf. Das Bett und auch die Gestaltung der Wand erinnern an Schulen und Lager des China der vergangenen Jahrzehnte. Der zerbrochene Spiegel lässt Chen Weis Hang zur Alechmie deutlich werden.

Typisch für Weis Arbeiten herrscht eine Atmosphäre der Einsamkeit und Schwere vor: Der Raum ist menschenleer, das Bett ist verlassen, der Spiegel zerbrochen. Oftmals werden seine Aufnahmen mit der Entwurzelung seiner Generation im Angesicht der rasanten wirtschaftlichen Entwicklung Chinas in Zusammenhang gebracht, mit der aber weniger eine politische Öffnung als vielmehr ein immer größer werdender Kultur- und Identitätsverlust einhergeht.

Doch auch mit dieser Arbeit wirft der Künstler mehr Rätsel auf, als dass er sie beantwortet: „I want my work to crystallize a fleeting moment of time – it might be the past, it might be an imaginary future.” Dabei begeistern seine Arbeiten neben aller Rätselhaftigkeit stets durch die fein abgestimmte Komposition und Farbigkeit. Unaufgelöste Erzählungen von absurder Schönheit. Der Kunstkritiker Sun Dongdong fasst es wie folgt zusammen: „Though Chen Wei concentrates the majority of his energy on scene, still life, concept, and production, in that single fleeting moment when his finger presses down on the shutter, he produces a reality that activates a truth buried somewhere in our hearts.”

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